Dauerhafter Warnton

Ab 2019 müssen alle Elektroautos zu hören sein

24.09.2018

Zugegeben: Die lautlose Fortbewegung von Elektroautos bei niedrigen Geschwindigkeiten ist vermutlich nicht die größte Herausforderung der Elektromobilität. Vielmehr muss die Industrie Kosten, Infrastruktur und Reichweiten in den Griff bekommen, soll sich die E-Mobilität durchsetzen. Dennoch: Die leisen Stromer können eine Gefahr sein, wenn Fußgänger sie nicht hören. Ab 2019 dürfen E-Autos nicht mehr geräuschlos unterwegs sein.

Das sieht eine neue Regelung der EU vor. Bis zum 1. Juli 2019 müssen Elektroautos und Hybrid-Fahrzeuge bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h und beim Rückwärtsfahren ein akustisches Warnsignal geben. Ab der Grenze von 20 km/h sind die Abrollgeräusche der Reifen dann wieder so laut, dass die Autos auch ohne ein Warnsignal wahrgenommen werden.

In der Verordnung Nr. 540/2014 des Europäischen Parlaments werden Systeme, die einen solchen Warnton abgeben, als „AVAS“ (Acoustic Vehicle Alerting System) bezeichnet. Der dauerhafte Warnton soll allerdings kein nerviger Piepton sein, sondern mit dem Geräusch eines Autos mit Verbrennungsmotor der gleichen Fahrzeugklasse vergleichbar sein. Wie sich so ein Sound anhören kann, demonstriert die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen auf ihrer Webseite.

Doch wie funktioniert so ein AVAS-System? Hugo Fastl, Professor am Lehrstuhl für Mensch-Maschine-Kommunikation der Technischen Universität München (TUM), gilt als Experte für das Geräuschdesign von Elektroautos:  „Sehr tiefe Frequenzen sind schwierig abzustrahlen. Dafür müssen die Lautsprecher am Auto sehr groß sein.  Zu hohe Frequenzen können jedoch von älteren Menschen oft nicht mehr wahrgenommen werden.“ Deshalb ist es wichtig, sich im Bereich der mittleren Frequenz zu bewegen. Übrigens: Mit Hilfe der Tonhöhe interpretieren wir auch, ob ein Fahrzeug gerade beschleunigt oder bremst - Beschleunigt der Stromer, dann geht die Tonhöhe nach oben.

Um eine unnötige „Dauerbeschallung“ von Elektroautos zu verhindern, schlägt Prof. Fastl die Verknüpfung mit Fahrerassistenzsystemen vor, die künftig verstärkt Einzug in moderne Autos halten werden: „Es werden immer mehr Autos mit automatischer Fußgängererkennung auf den Markt kommen. Wir schlagen vor, dass die Geräusche von E-Fahrzeugen nur dann abgestrahlt werden, wenn ein Fußgänger in der Nähe ist.“